Donnerstag, 23. November 2017

Westliche Eliten finden eine neue Theorie der China-Drohung

Jiang Feng

19. November 2017

Aus dem Englischen: Einar Schlereth




Die Welt hat in den vergangenen 40 Jahren ein Auge auf China gehabt, zwischen Verherrlichung und Angst. Im vergangenen Monat haben westliche Medien, einschließlich der US Time, Frankreichs Le Monde und Deutschlands Der Spiegel chinesische Zeichen gewählt oder Pinyin für ihre Schlagzeilen auf den Frontseiten, die  der Welt zeigten, dass „China gewann“, „China – ein aufsteigende Macht“ und „China: Der erwachende Gigant“.

Der Spiegel benutzte „xing lai“ (wach auf im Englischen) als Umschlag-Titel, ein Echo des Artikels „Der erwachende Gigant“ und erklärte einerseits, dass China ein erwachender Gigant wurde und US-Präsident Trumps Besuch in China ein ‚Kotau‘ vor China war oder eine Abschiedstour, um die Führerschaft der Welt China zu übergeben.

Auf der anderen Seite hat Der Spiegel den Westen gedrängt, so schnell wie möglich aufzuwachen und vereint dem aufstrebenden China entgegenzutreten. Anders als in der Vergangenheit gab das Magazin zu, dass China bedeutende Erfolge an vielen Fronten erreicht habe. Jedoch wurden diese Errungenschaften als Bedrohung für die Werte und das System im Westen interpretiert, eine andere Version der Theorie von der „China-Bedrohung“.
Als die westlichen Medien die „China-Bedrohung“ Theorie benutzten, dachten sie, dass China nicht so schnell aufsteigen werde. Aber jetzt sehen sie ein immer mächtigeres China, das die Schwelle zu einer Supermacht überschritten hat und den Westen an vielen Fronten überholt einschließlich der Politik, Technologie und Kultur. Der Spiegel gibt eine Auffassung wieder, die glaubt, dass China und der Westen immer in Konfrontation leben werden.

Manche westliche Eliten kreuzen zwischen der „China- Kollaps“ Theorie und der „China-Bedrohung“ Theorie hin und her, um eine Perspektive auf Chinas Entwicklung zu gewinnen, was zu kreativen Schlagzeilen führt, wie in Bezug auf die Ökonomie von Lester Brown, Präsident des Earth Policy Institute, der die Frage 1995 aufwarf „Wer wird China füttern?“ und behauptete, dass der wachsende Bedarf Chinas “noch mehr Druck auf die Welternährung ausüben wird, die ohnehin schon ihre Grenzen erreicht hat“. Die Realität ist, dass China nicht nur seine riesige Bevölkerung selbst ernährt, sondern auch die Welt mit mehr als 30 % vom globalen ökonomischen Wachstum ernährt.

Was das System anbelangt, so gab es einst Argumente, wer wohl China retten wird, das eine nicht „nachhaltige Ökonomie“ besitzt. Darüberhinaus wurde gesagt, dass nur durch die Übernahme des westlichen politischen Systems China zu einem wirklich entwickelten Land werden kann. Aber es zeigte sich, dass kaum irgendein Land, das vom Westen erzwungene Reformen übernahm, sich gut entwickelt hat. Stattdessen haben solche Länder Rückschläge erlitten und manche gerieten an den Rand zum Kollaps. Sogar der Westen hat gemerkt, dass ihr System nicht nur unfähig ist, China zu retten, sondern sogar bei ihnen selbst verdächtig geworden ist.

Der Westen wehrt sich einzusehen, dass ein zunehmend zuversichtliches China ohne zu zögern seinen eigenen Weg verfolgt. Als Ergebnis wird die Stimme „wer will gegen China ankämpfen“ in den westlichen Medien immer lauter. Alle Hoffnungen werden auf die USA und ihren Präsidenten gesetzt.

Doch Trump mit seinem „Amerika zuerst“-Denken, scheint kein Interesse an den ideologischen Vorlieben der westlichen Eliten zu haben. Folglich zeichnen westliche Eliten Trump wütend als Präsidenten, der vor China einen ‚Kotau‘ macht.

Um Trump wieder auf die Schiene des Kampfes gegen China zu bringen, portraitieren sie Chinas Entwicklung und Mächtigkeit als eine Bedrohung für den Westen, die USA natürlich, indem sie neue Bedeutungen und Absichten in die Theorie der „China-Bedrohung“ hineininterpretieren.

Für den Westen ist es normal, China misszuverstehen, da sie unterschiedliche Werte haben. Die westlichen Eliten, die auf China schimpfen, hätten es nötig, Weisheit bei ihren Vorgängern zu suchen.

Wenn die Geschichte Recht hat, so hat der französische Kaiser einst Chinas Aufstieg vorhergesagt und die britischen Gesandten gewarnt, das Land zu erobern, sondern lieber den gegenseitigen Vorteil zu suchen. Der frühere deutsche Kanzler Helmut Schmidt warnte ebenfalls den Westen, dass er nicht das Recht habe, China anzuklagen, weil es einen eigenen Weg gehe. Stattdessen sollte er Respekt vor dieser alten Zivilisation und ihren modernen Reformen und Entwicklungen zeigen und niemals China falsch verstehen.

Der Fehler bei der Beurteilung Chinas bringt den Westen in eine ideologische Falle. Statt aus seinen Reformen und Entwicklungsprogrammen Lehren zu ziehen, haben die westlichen Eliten Konfrontation im Sinn und Versuche, seine Entwicklung zu behindern. Das kann einen zeitweiligen Rückschlag für Chinas Entwicklung bewirken, aber es kann nicht die allgemeine Richtung seiner Entwicklung beeinflussen.

Die neue Version der Theorie von der „China-Bedrohung“ soll bezwecken, Unruhe zu erzeugen, besonders China und die USA zu einem Konfrontationskurs zu provozieren. Wenn diese  Konspiration Erfolg hat, wird die Welt in Chaos gestürzt. China braucht sich nicht um die neue Bedrohungs-Theorie oder Kollaps-Theorie zu kümmern. Die Entwicklung ist von vorrangiger Bedeutung.

[Als zusätzliche Lektüre empfehle ich euch den ins Deutsche übersetzten Artikel von Eric Margolis "Chinas vergessener Sieg im Zweiten Weltkrieg" mitsamt dem Video von der gigantischen Militärparade in Beijing zum 70. Jahrestag des Sieges.]

Der Autor ist Forscher am Shanghai International Studies University. opinion@globaltimes.com.cn

Quelle - källa - source

Kommentare:

  1. Schön Einar, dass Dein Internet sich doch eines Besseren besonnen hat. Diese bösen russischen Hacker aber auch . . .

    China wird über kurz oder lang die schwächelnden USA ablösen und das neue Herrchen der "westlichen Wertegemeinschaft" werden. Unangefochten, mit dem Putin/Schoigu Komplex in der Hinterhand. Der angegriffene Dollar wird heftig unf tief fallen. Das ist dann das Ende der US-Macht. Ihr Militär werden die alten Weltbeherrscher nicht mehr weiter finanzieren und kaum noch ihre staatliche Ordnung aufrecht erhalten können. http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2017/11/die-arbeitenden-obdachlosen-der-usa.html
    Als "Der Westen" damals, 1989/90, den dauerhaft unterlegenen sowjetischen "Kommunismus"-Versuch und den Warschauer Pakt niedergerungen hatten, war das Ende des konkurrenzlosen US-Zuckerschleckens besiegelt. Ein Pyrrhus-Sieg, ein vermeintlicher nur. Sie haben sich selbst den neuen, den überlegenen Widerpart China/Russland geschaffen und per Russland-Sanktionen schier untrennbar zusammengeschmiedet. Strategische Idioten hoch Drei, Laienspieler von unfassbarer Dummheit, diese westlichen Wertegemeinschafts-Vordenker . . .

    Jeden neuen Tag finde ich beim Studium der Geschehnisse Bertolt Brecht bestätigt:
    "Der Geist ist machtlos, wenn die Macht geistlos ist."

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  2. Fand ich grad: http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP17817_101117.pdf

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  3. Ja, Klaus-Peter, seit meiner Kindheit klingt mir die 'Gelbe Gefahr' in den Ohren. Aber du siehst, wie sie jetzt anfangen, zaghaft den Finger in die Luft zu halten und merken, dass der Wind sich dreht. Ich empfehle allen auch den Link von Klaus-Peter zu öffnen mit dem sehr guten Artikel von Chris Hedges "Das Ende des US-Imperialismus", von der Luftpost ins Deutsche übersetzt.

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