Freitag, 20. Juli 2012

Mali, Al Qaida und die US-Neokolonialen Pläne

Mali und der neue abgetrennte Staat Azawad im Norden.
Hier ist ein ausführlicherer Bericht zu dem, was in Mali passiert und was ich vor einigen Tagen nur mit ein paar Zeilen umrissen hatte. Am Ende fasst Eric Draitser die US-Ziele in drei Punkten zusammen. Doch den allerwichtigsten Punkt vergaß er zu erwähnen, den ich in diesem noch ausführlicheren Artikel
hier gefunden habe, nämlich diesen:

Das gigantische Ölfed, das sich über mehrere Länder erstreckt.


Eric Draitser

16. Juli 2012

Die jüngsten Entwicklungen in Mali illustrieren sowohl die Art, in der die USA und ihre westlichen Alliierten direkt militärische und politische Macht planen als auch die Rolle des Terrorismus als notwendigen Vorwand für imperialistische, neo-koloniale Herrschaft. Mit Beginn der Einrichtung von AFRICOM (US Africa Command) im Jahr 2007, der Eingliederung des Libyenkrieges und des Staatsstreichs in Mali und der gegenwärtigen Konsolidierung der Macht durch Al Qaida im Islamischen Maghreb (AQIM) ist es klar geworden, dass die USA es fertiggebracht haben, Westafrika erfolgreich zu destabilisieren und viele ihrer langfristigen Ziele in der Region zu erlangen.


Während die westlichen Medien die Situation in Westafrika als „die unbeabsichtigte Konsequenz“ der imperialistischen Aggression in Libyen darstellte, ist es eine unumstößliche Tatsache, dass die USA seit Jahren versuchten, ihre Kontrolle über die Region auszudehnen, was noch deutlicher durch die gegenwärtige Instabilität und „die (erforderlichen) entscheidenden Aktionen“ gemacht wurde. Die Ausdehnung der AQIM, die jetzt ihre Macht über weite Teile des Sahel konsolidiert hat, liefert den USA passenderweise den wichtigen Vorwand, ihre militärische Präsenz auszuweiten.


Jüngste Entwicklungen

Seit dem Sturz von Gaddafi in Libyen ist Mali in einen erbitterten Bürgerkrieg gestürzt worden, der das Land auseinandergerissen hat. Die Touareg-Kämpfer, die auf der Seite Gaddafis und des grünen Widerstands gekämpft hatten, begannen heimzukehren, kampferprobt und mit Wut im Bauch. Das war natürlich ein Rezept für Krieg in Mali, wo die Zentralregierung als bloße Marionette der USA angesehen wurde; sie warb für Demokratie und beugte sich den militärischen und wirtschaftlichen Interessen der USA. Die Rebellen hofften, durch den Krieg gegen Bamako ihren eigenen unahängigen Staat Azawad in Nordmali gründen zu können, ein Ziel, das Mali ihnen seit der Unabhängigkeit 1960 verweigerte.

Als sich der Krieg intensivierte, wurde das Militär Malis immer frustrierter, weil es seiner Meinung nach nicht hinreichend von der Zentralregierung unterstützt wurde. Ärger und Verbitterung wurde von einer kleinen Clique des Öffizierscorps ausgenutzt, um einen Staatsstreich durchzuführen. Der Coup wurde von Hauptmann Amadou Sanogo angeführt, ein Offizier der mittleren Ränge und von den USA ausgebildet, zusammen mit anderen niedrigeren Offizieren, die sich als Patrioten darstellten und den Aufstand im Norden niederschlagen wollten. In Wirklichkeit war es ein von Sanogo und seinen US-Sponsoren zynisch geplanter Trick, um Mali zu destabilisieren. Wie vorhergesehen, stürzte der Coup das Land in politischen Trubel, ohne legitime Regierung in Bamako und mit weit geöffneter Tür für einen viel gefährlicheren Feind im Norden.

Auftritt: Al Qaida im Islamischen Maghreb

Inmitten der Kämpfe zwischen der Touré-Regierung und den Touareg-Kämpfern tauchte im Norden eine neue Bedrohung auf, Al Qaida von der AQIM. Diese Tochter von Al Qaida, die einst als belanglose Drohung betrachtet wurde ohne eine Chance, in der Region Bedeutung zu gewinnen, machte sich bemerkbar durch eine Allianz mit den Rebellen. Es war eine reine Vernunftehe und beide kämpften Seite an Seite gegen die schwache malische Armee, die trotz jahrelangen Trainings und moderner Ausrüstung durch die USA, den Touareg-Kämpfern und der Al Qaida keine nennenswerte Verluste beibringen konnte. Als es aber klar wurde, dass der Norden „befreit“ würde, kam es zum Bruch zwischen Rebellen und der AQIM.

Augenzeugenberichte aus Mali beschreiben die AQIM-Kämpfer als Leute, die in Landcruisern  mit modernen Waffen und Kommunikationsmitteln
  kamen, die sie offenbar von der malischen Armee erobert hatten. Diese gut organisierten und mit reichlich Geld versehenen Einheiten trafen ein, nachdem sie von der Armee Algeriens entscheidend geschlagen worden waren, wo sie eigentlich herkamen. Diese Tatsache sollte keinem Beobachter entgehen: nachdem es ihr misslang, dieses ölreiche Land im Interesse des Westens zu destabilisieren, wanderte die AQIM nach Mali, wo sie den Bürgerkrieg erfolgreich an sich riss und das Land genau wie Libyen ebenfalls in eine Bühne für Terror und Destabilisierung verwandelte.

AQIM, US-AFRICOM und die Destabilisierung des Sahel

Wie mit anderen Al Qaida-Töchtern ist die Geschichte der AQIM direkt mit dem US-Geheimdienst und dem US-Militär im Sahel verknüpft. AFRICOM wurde 2007 von Bush gegründet, um, nach eigenen Worten “nationale Sicherheitsinteressen der USA zu verteidigen indem man die Verteidigungsfähigkeiten der afrikanischen Staaten stärkt und überregionale Drohungen venichtet.“

Schon Monate nach Gründung der AFRICOM wurde die algerische Gruppe, die unter dem Namen Salafist Group for Preaching and Combat (SGPC) bekannt war, in AQIM umbenannt und wurde sofort eine ernsthafte Bedrohung mit internationalen Verzweigungen, was sie nie zuvor gewesen war.

Man kann sich nur wundern, wie im Zeitraum von wenigen Monaten, als sich die US-Militär- und Geheimdienst-Präsenz dramatisch verstärkte, so eine Gruppe blitzartig auftauchen kann. Es ist wohl nur logisch anzunehmen, dass diese beiden Ereignisse kein Zufall sind. Vielmehr braucht AFRICOM, um seine Anwesenheit in der Region zu legitimieren, einen Feind. Also nahm sie eine obskure Terrororganisation, gab ihr eine Al-Qaida-Fahne und schuf damit die Bedingungen für seine militärische Anwesenheit. AFRICOM war dann in der Lage, sogenannte „Berater“ in die Armeen der Region einzuschleusen, augenscheinlich, um diese Bedrohung durch die neue Oranisation zu bekämpfen, wobei man in Wirklichkeit natürlich eine Abhängigkeit dieser Armeen von den USA herbeiführen will. Diese Enwicklungen waren Teil einer größeren Aufgabe, die als Trans-Sahara Counter Terrorism Partnership bekannt ist, die es den USA ermöglichte, die Armeen der gesamten Region zu infiltrieren und sie zu Kunden oder Stellvertretern der US-Armee zu machen. Es war genau diese Abhängigkeit, die beim Sieg über die malische Armee durch die Rebellen und AQIM sichtbar wurde.

Mit der Niederlage der malischen Armee und der de-facto Errichtung des Staates Azawad kontrolliert AQIM nun einen großen Teil der Sahel/Westafrika-Region, was ihr die Bedrohung der Nachbarstaaten erlaubt und die AFRICOM-Anwesenheit rechtfertigt. Diese militärische Anwesenheit ist nicht völlig sichtbar. Allerdings ist bestätigt worden, dass US-Kommandos und andere Spezialeinheiten in Mali schon vor dem Coup aktiv waren. Laut Mainstream-Medien und Militärsprechern waren diese Kommandos nur Kommunikationsexperten, die der Armee technischen Beistand leisteten. Das ist zweifellos bis zu einem gewissen Grad wahr, doch deuten die Nachrichten ein viel breiteres Engagement im Lande an, das alle Arten von Geheimoperationen mit den Rebellen, den Terroristen und der Armee umfasste. Damit muss man verstehten, dass die Situation in Mali und der umgebenden Region direkt und zynisch von den Vereinigten Staaten manipuliert wird.

US-Ziele

Die US-imperialistische herrschende Klasse hat eine Vielzahl von Gründen für ihren Wunsch, den Sahel und im weiteren Sinne Afrika zu destabilisieren. In erster Linie ist es der Wunsch, die fortlaufende chinesiche ökonomische Durchdringung des Kontinents zu verhindern. Es ist kein Geheimnis, dass China der bei weitem größte Investor in Afrika geworden ist. Mit den gegenseitig nützlichen Abkommen, bei denen China sich in riesigen ökonomischen Entwicklungen engagiert und im Gegenzug Rohmaterialien erhält, hat sich China in vielen afrikanischen Ländern fest verankert. Deswegen müssen die USA Wege finden, diese Beziehungen mit allen Mitteln zu verlangsamen oder zu stoppen. Zweitens wollen die USA eine unabhängige ökonomische Entwicklung Afrikas verhindern. Washington und Wallstreet können nicht zulasssen zuzuschauen, wie ihre vormaligen Diener sich außerhalb der US-Dollar-Hegemonie etablieren. Während die USA, Europa und ein großer Teil der Welt in eine globale Depression rutschten, ist Afrika ökonomisch stabil geblieben. Natürlich kann die 1%-Gemeinde das nicht erlauben und muss versuchen, ihre Herrschaft erneut aufzuzwingen unter Benutzung der üblichen Mittel: Terrorismus, Militärstaatsstreiche und Erpressung. Damit gelangt Afrika erneut unter den Daumen der westlichen Finanz.
US-"Berater" in Mali
Und schließlich müssen die USA alles tun, um ihre militärische Präsenz auf dem Kontinent zu rechtfertigen. Trotz der Ablehnung der Öffentlichkeit in ganz Afrika gegenüber AFRICOM, ist es Washington gelungen, sich in viele Armeen des Kontinents einzunisten. Damit legitimiert die USA sowohl ihre eigenen Ausgaben und ist auch in der Lage, die Tagesordnung der Wallstreet und der internationalen Finanziers durchzusetzen. Darüberhinaus liefert dies den US-Marionetten die nötige Muskeln, wie denen in Äthiopien, Ruanda, Uganda und anderen Regierungen, die brutal die US-Politik durchsetzen entsprechend den Diktaten ihre Patrone in Washington.

Mali ist in vielerlei Hinsicht ein zweites Libyen geworden, eine zerbrochene Nation, die ins Chaos gestürzt wurde, und wo ein großer Teil der Bevölkerung unter der Herrschaft von Terroristen und Extremisten steht. Wie Libyen wird Mali zweifellos zu einer Heimstatt für internationale Terrorkampagnen, deren Aufgabe nichts Geringeres ist als die völlige Zerstörung des modernen Afrika.

Es lohnt sich, diese Karte genau zu studieren.
Ob bewusst oder unbewusst, arbeiten diese Streitkräfte, die ihren Willen dem Volk von Afrika aufzwingen wollen, im Dienst der USA. Wie mit Libyen, Somalia, Nigeria und zahlreichen anderen Ländern, benutzen die USA die brutale Waffe des Terrorismus und haben nun auch Mali auf einen gescheiterten Staat reduziert, um ihre eigene Vorherrschaft zu konsolidieren und ihre neo-koloniale Agenda durchzusetzen.

Quelle - källa - source

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