Bill Van Auken
Samstag , den 1. Juni 2013
Bei einer Serie von Razzien in Istanbul und in den südlichen
Provinzen Mersin, Adana und Hatay nahe der syrischen Grenze hat die
türkische Polizei 12 Mitglieder der Al Qaida angeschlossenen Al
Nusrah Front mit chemischen Waffen verhaftet.
Die türkischen Medien berichteten, dass die Polizei 4 1/2 Pfund
Sarin, das tödliche Nervengas sichergestellt hat, das schon bei
früheren chemischen Angriffen in Syrien genannt wurde.
Während in den türkischen Medien darüber weithin berichtet
wurde, wurde in US-Zeitungen absolutes Stillschweigen bewahrt, auch
in der New York Times, die offen eine US-Intervention in Syrien
befürwortete unter dem Vorwand, dass Bashar al-Assad chemische
Waffen eingesetzt hätte.
Die Tageszeitung Zaman berichtete, dass „die al-Nusrah-
Mitglieder für Donnerstag einen Bombenangriff in [der türkischen
Stadt] Adana geplant hatten, aber der Angriff wurde abgewehrt, als
die Polizei die Verdächtigen fing. Zusammen mit dem Sarin stellte
die Polizei eine Anzahl Handwaffen, Granaten, Munition und Dokumente
sicher“.
Adana, etwa 100 km von der syrischen Grenze entfernt, hat eine
beträchtliche arabische Alawiten-Bevölkerung, die mit der syrischen
Regierung sympathisiert und feindlich gegenüber den Sunni-Islamisten
eingestellt ist, die den US-unterstützten Krieg für Regimewechsel
in Syrien führen.
Die al Nusrah-Front, die förmlich sich als Teil von al Qaida
bezeichnete, wurde am 1. Dezember vom US-Außenministerium als
ausländische Terroristen-Organisation bezeichnet. Der
UN-Sicherheitsrat setzte am Freitag die Gruppe auf die schwarze Liste
mit Al Qaida Sanktionen.
Die syrische Regierung hatte im vergangenen Monat gefordert, dass
die Gruppe den Sanktionen einer Terroristen-Organisation unterworfen
würde, aber das wurde anfänglich von England und Frankreich
blockiert. Schließlich wurde ein Übereinkommen erreicht und Al
Nusrah wurde als Ableger von Al Qaida im Irak bezeichnet.
Die Al Nusrah Front ist weltweit als die effektivste Kampfgruppe
der Terroristen betrachtet worden. Sowohl England als auch Frankreich
gelang es kürzlich das Verbot für Waffenexport nach Syrien der EU
umzustoßen, womit für sie der Weg für Waffensendungen frei wurde.
Keiner der verhafteten Verdächtigen ist identifiziert worden.
Türkische Medien berichteten, dass fünf frei gelassen wurden und
sieben noch verhört werden. Die Regierung von Recep Tayyip Erdogan,
der der syrischen Opposition reichlich Material hat zukommen lassen,
hat zu der Polizei-Aktion keinen Kommentar abgegeben.
Der Provinzgouverneur von Adana, Huseyin Avni Cos, leugnete am
Donnerstag, dass Sarin sichgestellt worden wäre, sondern sprach
nur von unbekannten Chemikalien, die noch analysiert würden.
Die Verhaftungen finden gut zwei Wochen nach dem
Doppel-Bombenanschlag in der Stadt Reyhanli in der südlichen Provinz
Hatay statt, die 52 Menschen das Leben kostete. Die Erdoganregierung
hat sofort Syrien dafür verantwortlich gemacht und nach einer
Intervention gerufen. Sie erließ gleichzeitig einen nie gewesenen
Maulkorberlass für die türkische Presse, um Berichte über die
extensiven Beweise zu verhindern, dass die Anschläge das Werk der
syrischen Opposition gewesen sind, die Reyhanli als Nachschubbasis
benutzt und frei die türkisch-syrische Grenze überqueren darf.
In der Folge verhafteten die Behörden einen Armeeangehörigen
unter der Anklage eines „Verbrechens gegen den Staat“, weil er angeblich
streng geheime Kabel weitergereicht habe, die zeigten, dass die
Regierung Vorhandwissen über die Bombenangriffe hatte, die von der
al Qaida Kräften geplant wurden. RedHack, die türkische
Hackergruppe, die in der vergangenen Woche die Kabel veröffentlichte,
leugnete, dass man irgendwelche Kontakte mit dem Militär gehabt
habe, der als Utku Kali identifiziert wurde.
Die Adana Tageszeitung Taraf berichtete am Donnerstag, dass die
Polizei Straßensperren errichte und Fahrzeuge auf Sprengstoffe hin
untersuche, von denen man glaubt, dass sie von den anti-Assad-Kräften
in die Türkei geschickt wurden.
Die Entdeckung von Sarin oder einem anderen chemischen Mittel in
den Händen der al-Nusrah Front veranlasste die Forderung des
russischen Außenministers Sergej Lawrow nach einer sofortigen
Untersuchung. Er verurteilte auch das Versagen, eine
UN-Inspektionsgruppe Syrien zu schicken, um den Zwischenfall eines
Angriffs mit chemischen Waffen in Aleppo im März zu untersuchen.
„Wir sind äußerst enttäuscht, dass das UN-Sekretariat wegen
politischer Ränkespiele, nicht auf diese Forderung umgehend reagiert
hat“, sagte Lawrow.
...
Es gab wiederholte Behauptungen seitens der syrischen Opposition
als auch von den britischen und französischen Regierungen, dass
al-Assad chemische Waffen eingesetzt hätte. Doch im vergangenen
Monat erklärte Carla del Ponte, ein führendes Mitglied einer
UN-Kommission zur Untersuchung in Syrien, dass die Masse der Beweise
darauf hindeute, dass die chemischen Waffen von den 'Rebellen'
eingesetzt wurden.
Die neuesten Nachrichten aus der Türkei deuten an, dass die vom
Westen unterstützten Islamisten sich darauf vorbereiteten, einen
weiteren Angriff mit chemischen Waffen offenbar gegen die türkische
zivile Bevölkerung durchzuführen, mit dem Ziel einer Masse von
Opfern, es dann der syrischen Regierung aufzuhalsen, um damit die
Bedingungen für eine US-Invervention zu liefern.
Das Schweigen der US-Medien über den Vorfall zeigt nur, dass man
dieselbe Rolle spielen möchte wie schon in Irak, einen Krieg zu
verkaufen, der auf Lügen für die amerikanische Öffentlichkeit
aufbaut. Die Erfahrung des vergangenen Jahrzehnts mit dem endlosen
Krieg hat die Aufgabe jedoch schwieriger gemacht.
Eine Gallup Untersuchung, die am Freitag veröffentlicht wurde,
zeigte, dass mehr als zwei von drei Amerikanern (68 %) gegen jede
Intervention in Syrien sind, wenn die „diplomatischen Anstrengungen
versagen, den Bürgerkrieg in Syrien zu beenden“.
Quelle - källa - source